Auf zum Zielspurt

In nicht einmal einer Woche wollen wir am Ziel sein. Also sind wir weiter über den Highway 1. Richtung Port Augusta gefahren. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Iron Knob vorbei. Diese staubige, alte Bergbaustadt liegt 50 Kilometer nördlich von Whyalla in Südaustralien. Heute ist sie eine unheimliche Hülle ihrer glorreichen Tage. Leere, heruntergekommene Häuser säumen die ruhigen Straßen und die meisten Geschäfte im Zentrum der Stadt sind schon lange vernagelt. Allerdings gibt es eine Menge Optimismus, weil der Bergbau zurückgekehrt ist und eine Wiederbelebung dieser ruhigen Gemeinde am Horizont stehen könnte. Iron Knob war einst der Geburtsort der australischen Stahlindustrie mit bis zu 3.000 Einwohnern. Mit der Schließung der Mine 1999 und dem Einbruch der Bevölkerungszahl, sanken auch die Dienstleistungen der Stadt. Der Optimismus und die Entschlossenheit der verbleibenden Mitglieder der Gemeinde jedoch nicht. Die Stadt ging den Weg des Tourismus, richtete einenCampingplatz ein und führte Touren zur historischen Minengrube durch. Das Besucherzentrum, das sich in der hinteren Ecke der Stadt am Fuße des hoch aufragenden Minengeländes befindet, ist heute ein Zentrum für Besucher und Anwohner. Alle hoffen jetzt mit der Rückkehr der Mine auf eine Entwicklung, die wieder nach vorne geht. Wir drücken die Daumen.

Siebzig Kilometer weiter, in Port Augusta, haben wir dann eine späte Frühstückspause eingelegt. Wir hatten die “Pampa” hinter uns gelassen und waren zurück in der Zivilisation. Weiter ging es über Port Wakefield bis nach West Beach bei Adelaide. West Beach ist ein gemütlicher Ort mit nicht überlaufenem Sandstrand. Hier haben wir einen schönen, komfortablen Stellplatz gefunden. Dann haben wir erstmal ordentlich Wäsche gewaschen und eine angenehme Nacht verbracht. 

Den nächsten Tag verbrachten wir in West Beach. Da wir jetzt auf der Zielgraden waren und pünktlich zum 140. Tag, am 10.03., in Port Macquarie ankommen wollen, hatten wir noch einiges zu tun. Wir organisierten, machten die Wäsche fertig und vertraten uns die Beine am Strand.

Auf die letzten 1.800 Kilometer

Wir hatten noch an die 1.800 km vor uns. Unser Tagesziel war es heute, den Bundesstaat New South Wales zu erreichen. Auf dem Highway sahen wir ein Hinweisschild nach Murray Bridge, einer Stadt mit einer historischen Brücke. Die wollten wir uns einmal anschauen. Also sind wir abgefahren.
Zunächst haben wir die nächste Waschstraße für “Kumpel” angefahren. Da wir bei unserer Ankunft natürlich einen guten Eindruck hinterlassen wollen, sollte “Kumpel” richtig sauber sein. Also gesagt – getan, seit vielen Monaten war hier wieder selber Waschen angesagt. Das Ergebnis war ein sauberer, blitzblanker “Kumpel”. 

Weiter ging es nach Murray Bridge. Die Stadt liegt im australischen Bundesstaat South Australia, etwa 80 Kilometer südöstlich von Adelaide. Benannt ist der Ort nach der 1879 errichteten Straßenbrücke über den Murray River. Von 1886 bis 1927 verlief auch der Schienenverkehr über diese Brücke, bevor eine zweite Brücke parallel dazu gebaut wurde. Vor der Brücke haben wir angehalten, um Fotos zu machen. Auf der anderen Seite, direkt an der Brücke, haben wir dann ein Plätzchen für unsere Frühstückspause auserkoren.
Wir hatten unser Frühstück noch nicht begonnen, da hielt ein SUV neben uns. Der Fahrer meinte: „Das gibt es doch nicht, ein deutscher Van aus Pirmasens“. Wir klärten ihn auf, dass „PI“ für Pinneberg steht und luden ihn dann in unseren “Kumpel” ein. Er stellte sich als Georg vor, der seit über 30 Jahren in Australien lebt. Ursprünglich komme er aus dem schönen Schwabenländle und er arbeite als Finanzmakler. Unser Gespräch über das Leben in Australien, über Land und Leute und Unterschiede zu Deutschland enden damit, dass wir zusammenpackten und zu Georg nach Hause fuhren. Dort gab es erstmal einen richtig guten Kaffee und die Gespräche gingen weiter.
Da wir einen Zeitplan hatten, mussten wir irgendwann wieder los. Wir verabschiedeten uns und schafften es fast noch zu unserem eigentlichen Tagesziel. Nur 50 Kilometer vorher fanden wir Stellplatz in Lameroo. Direkt an einem Golfplatz, gut angelegt und kostenlos. Hier haben wir dann, nach einem rustikalen Abendessen vom Grill, die Nacht verbracht.

In Gedanken

Am nächsten Morgen fuhren wir an unendlichen Weizenfeldern vorbei. Wirklich, soweit das Auge reichte, sah man nur Weizenfelder. Unterbrochen wurden diese so alle 20 Kilometer durch kleine Dörfer mit riesigen Getreidesilos. Immer ein ähnliches Bild, egal wie klein die Dörfchen waren. 

Wenn wir so durch die australische Landschaft fahren, kommen immer wieder die unterschiedlichsten Fragen auf. Heute zum Beispiel: „Wo auf der Welt leben die meisten Kamele?“. Wie wir gerade heute darauf gekommen sind. Keine Ahnung. Aber es ist so, dass nicht die afrikanischen oder asiatischen Wüstenstaaten die meisten Kamele beherbergen, sondern Australien. Nach Schätzungen leben dort mehr als 800.000 wilde Kamele. Man lernt ja immer etwas dazu. Mit dieser und weiteren Fragen im Kopf, haben wir dann am späteren Nachmittag Balranald am Sturt Highway erreicht. Hier haben wir dann die Nacht verbracht.

Landschaftwechsel

Bei Sonnenaufgang sind wir am nächsten Tag aufgebrochen. Weiter über den Sturt Highway in Richtung unserem finalen Ziel, Port Macquarie. Auf den ersten 70 Kilometern haben wir viele tote Kängurus an der Straße liegen sehen. So viele, wie auf keinem Abschnitt zuvor. Aber wir sahen auf den Feldern und den naturbelassenen Grundstücken auch viele Kängurugruppen, die recht munter erschienen.
In Hillston haben wir einen Zwischenstopp eingelegt und dem örtlichen Info-Center einen Besuch abgestattet. Die beiden ehrenamtlichen arbeitenden Damen hatten einige gute Informationen für unsere weitere Route für uns. Wir stärkten uns noch kurz im Café nebenan und weiter ging es.

Rund 100 Kilometer vor unserem heutigen Ziel wechselte die Landschaft. Farmland war zu sehen und es zeigte sich die rote Erde des Kontinents. In den Feldern standen auch immer Bäume und nicht wie sonst oft nichts.
Wieder hingen wir unseren Gedanken nach. Und wir dachten daran, was wir in den letzten Monaten so alles erlebt und gesehen hatten. Wir dachten an all die tollen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, die wir hatten. Uns wurde heute richtig bewusst, dass sich unsere 140TagenachAustralien-Tour nun wirklich dem Ende nähert. Mit vielen Gedanken sind wir in Condobolin angekommen und haben die Nacht auf einem Campingplatz verbracht.

Peak Hill

Heute ist unser vorletzter Tag der Tour. Wahnsinn, jetzt ging es doch irgendwie schnell. Morgen im Laufe des Nachmittags werden wir unser Ziel erreichen.

Also haben wir die letzten 800 Kilometer in Angriff genommen. Unsere heutige Strecke verlief über Parkes, Peak Hill und Dubbo. In Peak Hill haben wir eine Pause eingelegt und eine nicht mehr aktive Goldmine besichtigt. Die Stadt, mit dem Herzen aus Gold, macht ihrem Namen alle Ehre. Die historische Goldmine von Peak Hill befindet sich in der Nähe des Stadtzentrums in der Mingelo Street und bietet tolle Eindrücke, Wanderwege und Aussichtsplattformen. So kamen wir mal wieder an die frische Luft und bekamen einen kleinen Einblick, wie das früher in einer Goldmine aussah. 

Wir fuhren weiter in die Great Western Plains. Dies ist eine Region, die von weiten Freiflächen, alten Vulkanbergen und großen Landschaften geprägt ist. Das Gebiet liegt auf halbem Weg zwischen der Küste und dem Beginn des Outbacks von New South Wales. Der Weg führte durch die Berge und wir glaubten fast, wir wären im Allgäu oder im bayrischen Voralpenland. Ohne Zweifel ein toller Weg, um unserem Tour-Ende entgegen zu fahren. Jede Stadt und manchmal auch jedes Dorf in der Region, hat etwas Neues und Überraschendes zu bieten. 
Wir kamen in Tamworth an. Dort, knapp 300 km von unserem Ziel Port Macquarie, haben wir die letzte Tour-Nacht mit unserem “Kumpel” verbracht.
In der letzten Nacht unserer 140-tägigen Abenteuerreise stand “Kumpel” also auf der Wiese eines Campingplatzes und wir machten uns so unsere Gedanken. Morgen werden wir auch endlich unsere Frauen wieder in die Arme nehmen können. Ein letztes Mal “Gute Nacht” für die Tour. Irgendwie irreal.

Die finale Etappe

Wir starteten unsere letzte Etappe. Knapp 280 Kilometer lagen noch vor uns. Unsere Fahrt am Morgen führte uns über den Oxley Highway durch eine voralpenähnliche Landschaft mit Bergen und Tälern. Wären nicht die australischen Verkehrszeichen und Werbetafeln gewesen, hätten wir uns wie in Süddeutschland gefühlt. Auch die Farmen rechts und links des Weges sahen aufgeräumt aus, ohne den sonst oft herumstehenden Altwagen-Schrott.
Neunzehn Kilometer hinter Walcha haben wir noch einen kurzen Abstecher an die Apsley Falls gemacht. Der Wasserfall mit seinem spektakulären Aussichtspunkt ermöglichte uns einen Blick auf die Schieferschichten, die über 150 Meter tief sind. Die Fälle werden vom Apsley River gespeist, der sich durch produktives Schaf- und Viehzuchtland schlängelt. Solange, bis er dramatisch in eine tiefe, enge Schlucht, die Apsley Gorge fällt. Wir nutzen dieses Plätzchen für unser letztes, gemeinsames, verspätetes Frühstück im “Kumpel”. Etwas Wehmut verspürten wir dabei, aber es überwog die Vorfreude auf unsere Lieben, die bereits in Port Macquarie auf uns warteten. Also fuhren wir bald weiter.

Der erste Teil der restlichen Strecke war wunderbar und bot schöne Aussichten. Der zweite Teil, die letzten anderthalb Stunden, fuhren wir auf der kurvenreichsten Strecke, seit wir in Australien waren. Laut unseren Informationen gab es mehr als vierhundert Kurven entlang dieses Abschnitts. Für Carsten war dies ein Geschenk, denn er liebt Kurven. Auch in diesem Gebiet hatten die großen Brände gewütet. Jetzt konnten wir das Wiedererwachen des Waldes beobachten. Die Natur kehrt zurück und es sind zum Teil bizarre Bilder. Hoffen wir, dass sich die Pflanzen und Tiere möglichst schnell erholen.

Und dann war er da, der Moment, als wir unser Ziel ankamen.
Gegen 14 Uhr, nach unserer Rechnung nach 140 Tagen, erreichten wir unseren Zielort, Port Macquarie. Ein sehr emotionaler und sehr bewegender Moment für uns.

Natürlich fuhren wir als erstes zu unseren beiden Frauen, Doris und Susann. Nach der langen Zeit der Trennung gab es hier ein großes und sehr emotionales Wiedersehen. Es war wirklich eine lange Zeit von Oktober 2019 bis zum 10. März 2020.

Wir hatten mit einigen Gefühlen zu kämpfen, bevor wir am späteren Nachmittag zu der, auf unserem “Kumpel” aufgeführte Zieladresse, fuhren. Es war die Adresse von Carstens schwangerer Tochter Friederike und ihrem Mann Jim. Hier wurden wir nun ganz „offiziell“ und mit Foto- und Videobeweisen am Zielpunkt unserer Tour empfangen. Wir waren gut angekommen – am Ziel unserer Reise. 
Das große Willkommen mit Freunden und einem Pressetermin wird am morgigen Tag folgen.

Wir sind auf unsere Reise jetzt am Zielpunkt angekommen. Wir beide müssen das zuerst einmal in unseren Köpfen realisieren. Es wird wohl etwas Zeit brauchen, bis wir geerdet auf unsere Tour zurückblicken können. Wir haben so viel erlebt, gesehen und so viele wunderbare Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen erlebt, dass es dauern wird, um all diese Eindrücke zu verarbeiten.

Jetzt genießen wir erst einmal die Familienzeit in Australien und warten auf das Baby von Friederike. Und…natürlich haben wir auch schon Pläne. Aber alles in Ruhe.

Wir wünschen Euch, dass ihr Träume habt und diese Träume in Erfüllung gehen.
Glaubt daran!

Ganz herzliche Grüße 
Euer Carsten und Euer Manni

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